Dienstag, 3. Oktober 2017

Rezension: Ich dreh mich um dich von Simone Sabel

Na, Sie sind alleine, ich auch.


Da könnten wir uns doch auch gleich zusammen ins Bett legen.


Elisabeth ist nicht vollkommen unglücklich. Sie hat im Grunde so ziemlich alles, das sie sich wünscht: Ein Haus, einen Job den sie liebt und tolle Freunde. Nur in ihrer langjährigen Beziehung klappt es irgendwie nicht so richtig, das große Glück scheint auszubleiben. Ernsthaft in Frage stellt sie ihre Partnerschaft mit Thomas jedoch nicht, schließlich haben sie sich vor vielen Jahren gefunden. Eine junge Liebe, die für die Ewigkeit bestimmt war. Einige Zweifel nagen jedoch immer intensiver an ihr. Sie ist die Alleinverdienerin, während Thomas es vorzieht, seine Zeit mit seinen Kumpels in der Kneipe zu verbringen. Sie kommen um die Runden, gerade so. Doch ist das wirklich alles, das sie in ihrem Leben braucht? Durch Zufall lernt sie bei dem Versuch, ihre Sportbekanntschaft Barbara anzurufen, deren Ehemann Udo kennen. Ein seltsamer und aufdringlicher Kauz, der sie unbekannterweise auch noch sofort in ein anzügliches Gespräch verwickelt - ein seltsamer Typ. Schnell scheint jedoch klar: Udo ist standhaft und möchte sie unbedingt kennen lernen. Als ihr großes Glück irgendwann endlich in greifbare Nähe rückt beginnen jedoch auch die Sorgen. Ist sie wirklich am Ziel angelangt?

Dieses Buch von Simone Sabel hat mich sehr beschäftigt. Der Klappentext zu 'Ich dreh mich um dich' scheint zunächst etwas unscheinbar, nicht sonderlich greifbar. Eine fast alltägliche Dreiecksbeziehung, die man vermutlich in jedem beliebigen Ort finden kann. Die Stille Post verbreitet sich dann ungefähr so: B verliebte sich in C, C hat jedoch irgendwann einmal bereits D geheiratet, deshalb ist D nicht einverstanden, und ach ja: A gibt es auch noch - derzeit in Beziehung mit B. Ja... kommt vor. Das spannende an der Story ist jedoch: Jeder kennt solche Geschichten aus der "Nachbarschaft", tatsächlich beleuchtet und hinterfragt hat diese aber vermutlich so gut wie niemand. Wie fühlt sich der Mensch, der sich plötzlich "moralisch verwerflich" fremdverliebt? Und was denkt er sich dabei, eine oder mehrere Beziehungen eventuell zu zerstören? Wie kann es sein, dass man nach jahrelanger, augenscheinlich glücklicher, Ehe plötzlich mehr für jemand anderen empfindet? Nun, alle auftretenden Fragen kann diese Geschichte natürlich auch nicht beantworten, ein sehr tiefer Einblick hierzu ist der Autorin jedoch auf unglaublich fesselnde und mitfühlende Weise gelungen. Gespickt mit feiner Ironie taucht man in Höhen und Tiefen, Glück und Hoffnung, Bangen und Verzweiflung, Wissen und stille Ignoranz derer ein, die im echten Leben meist verachtet werden. Dies ist Geschichte der heimlichen Nummer zwei auf ihrem steinigen Weg ins ersehnte Glück.







Mein Leseeindruck

Mitte September erschien beim Juneberry Verlag der Roman "Ich dreh mich um dich" von Simone Sabel. Auch wenn ich das Cover sofort ansprechend fand, wagte ich mich mit etwas gemischtem Gefühl an diese Geschichte, erzählte der Klappentext doch etwas von "sozialem Unverständnis und Ächtung" aufgrund einer Dreiecksbeziehung. Allerdings gehöre ich eher zu der Sorte Lesern, die sich lieber vom Inhalt überzeugen lassen und weniger von der Verpackung. Ich schlug nun also das durchaus ansprechende Cover zur Seite um mich der Geschichte möglichst unvoreingenommen hinzugeben. Ja, und dort kam ich dann nicht mehr so leicht heraus. Es war sehr faszinierend, das zu erleben: Bereits ab der ersten Seite bis hin zum Ende des Buches war ich gefesselt von einem unglaublich besitzergreifendem Schreibstil und einer derart tiefgehenden Story, wie ich es nicht allzu oft in Romanen finden konnte. Die nachträgliche Erzählung aus der Sicht von Elisabeth, der "heimlichen Nummer zwei", beleuchtet dabei sehr einnehmend die dunkelsten, aber auch schönsten Ecken und Kanten einer Dreiecksbeziehung. Es gab mehrere Stellen, an denen ich als Leser richtig wütend wurde, sogar regelrechten Hass auf verschiedene Protagonisten entwickelte. Dann gab es da aber plötzlich diese vielen anderen Stellen, diese, die Glück versprachen und jene, die uns träumen lassen. Eine tiefe emotionale Achterbahnfahrt, die zur Mitfahrt zwingt und vermutlich selbst die abgestumpfteren unter den Lesern zur Weichwurst werden lässt. Leider gab es auch hier ein Ende, doch die Autorin hat mich mit ihrem Roman mehr als nur überrascht. Somit klar erkennbar: Start geglückt, ihr Debüt ist definitiv gelungen und ich hoffe auf schnellen Nachschub aus der Feder von Simone Sabel.


Daten zum Buch

Broschur: 216 Seiten
Verlag: Juneberry Verlag
Sprache: Deutsch
ISBN-13:  978-3-89841-992-5
Preis: 12,80€


Klappentext

Für Elisabeth ist Udo das Zentrum ihres Lebens, ihre große, alles überstrahlende Liebe. Seit sie sich begegnet sind, dreht sich alles nur um ihn. Doch Udo ist verheiratet, Elisabeth steckt selbst in einer lieblosen Beziehung fest. Sie fängt an für ihr Glück zu kämpfen, doch es ist ein langer und steiniger Weg, der von Heimlichkeiten, Unverständnis und sozialer Ächtung gesäumt ist. Wird Udo sich schließlich doch zu ihr und einer gemeinsamen Zukunft bekennen? Erst spät erkennt Elisabeth, dass sie sich selbst immer mehr in eine ausweglose Situation bringt, in der Hoffen, Bangen, Frust und Leid sich abwechseln. Ist das wirklich die Liebe, nach der sie sich immer gesehnt hat?